Zum Inhalt springen
Zurück zur Übersicht

Wäre ein digitaler ADHS-Ausweis sinnvoll?

2 Min. Lesezeit
2 Min. Lesezeit News

Beitrag teilen

Viele Karten und Tickets stecken heute im Smartphone. Da liegt die Frage nahe, ob es den ADHS-Ausweis nicht auch digital geben sollte. Vorerst bleiben wir beim gedruckten Ausweis, und dafür gibt es mehrere Gründe.

Überblick

Das Wichtigste in Kürze

  • Digitale Nachweise brauchen eine staatliche Prüfmöglichkeit
  • Von Hand unterschriebene Dokumente wirken empirisch glaubwürdiger
  • Digitale Lösungen verfolgen wir trotzdem weiter

Ein Nachweis muss sich prüfen lassen

Ein digitaler Nachweis ist nur so viel wert wie die Möglichkeit, ihn zu prüfen. Staatliche digitale Dokumente lassen sich über Schnittstellen der Behörden bestätigen. Ein Bild oder eine App auf dem Handy kann die Polizei in einer Kontrolle dagegen nicht verifizieren, und ein Screenshot ist schnell verändert. Als privates Unternehmen haben wir keinen Zugang zu solchen staatlichen Schnittstellen.

Außerdem sieht der Staat für den Nachweis einer ADHS-Therapie im Alltag keine eigene Bescheinigung vor. Die Schengen-Bescheinigung ist nur für Reisen in andere Schengen-Staaten gedacht. Einen staatlichen Nachweis, an den ein digitaler Ausweis anknüpfen könnte, gibt es also nicht.

Auf Papier wirkt ein Nachweis glaubwürdiger

Bei einem privaten Nachweis kommt es darauf an, wie glaubwürdig er auf andere wirkt. Die psychologische Forschung spricht hier für Papier.

Eileen Chou (2015) legte Versuchspersonen identische Dokumente vor, die entweder von Hand oder elektronisch unterschrieben waren. Elektronische Unterschriften vermittelten ein schwächeres Gefühl, dass die unterschreibende Person hinter dem Dokument steht. An der Gültigkeit einer elektronisch unterschriebenen Bewerbung zweifelten die Teilnehmenden eher als an derselben Bewerbung mit handschriftlicher Unterschrift. Bei elektronisch unterschriebenen Verträgen rechneten sie häufiger mit einem Vertragsbruch. Zwei vorregistrierte Wiederholungsstudien haben diesen Effekt für Verträge bestätigt (Tzelios & Williams, 2020).

Ein Befund aus der Konsumforschung passt dazu. In fünf Experimenten von Atasoy und Morewedge (2018) zahlten Menschen für Fotos, Bücher und Filme in physischer Form mehr als für die digitale Fassung. Die Autoren führen das darauf zurück, dass man einen Gegenstand, den man in der Hand halten kann, eher als den eigenen empfindet.

Das betrifft den ADHS-Ausweis unmittelbar. Er ist nur mit Stempel und Unterschrift der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes gültig. Auch seine Sicherheitsmerkmale lassen sich nur am echten Dokument prüfen. Die irisierende Präge-Holographie verändert sich beim Kippen im Licht, und die feinen Linien der Guillochierung sind schwer zu kopieren. Auf einem Bildschirm lässt sich beides nicht zuverlässig beurteilen. Dass Polizeikräfte Personen mit ADHS-Ausweis als glaubwürdiger einschätzen, zeigt die Studie „Poliscience“ der Hochschule Fresenius.

Digitale Lösungen bleiben ein Thema

Die Idee eines digitalen Ausweises verwerfen wir damit nicht. Sobald es staatliche Wege gibt, private Nachweise digital prüfbar zu machen, sehen wir uns das genau an. Bis dahin bleibt Papier für einen privaten Nachweis das Mittel der Wahl.

Schneller Versand
Sicher bezahlen
Zuverlässiger Service
Expertenberatung